Enquist, Per Olov: Auszug der Musikanten

In >Auszug der Musikanten< erzählt Enquist von den Schicksalen der Familie Markström, die im Dorf Hjoggböle in Nordschweden leben, wo Enquist selber aufgewachsen ist. Die Welt zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist geprägt von großen sozialen Veränderungen. Als der sozialdemokratische Agitator Elmblad “das finstere Land im Norden” bereist und für den Sozialismus wirbt, trifft er auf eine Mauer der Abwehr bei den Menschen aus Hjoggböle, die empört verneinen Opfer zu sein. Ein tragikomischer Roman, der das Recht des Einzelnen auf seine Sicht des Lebens verteidigt. Amazon

Enquist, Per Olov: Der Besuch des Leibarztes

Als der dänische Kronprinz Christian 1766 16-jährig zum König ausgerufen wurde, war er bereits geisteskrank. Nicht von Geburt, nein — er war von seinen Ausbildern psychisch gefoltert worden. Das war die spezifisch dänische Methode, sich mit dem Absolutismus zu arrangieren, denn wenn der König arbeitsunfähig war, delegierte er die Macht zwangsläufig an seine Beamten. Und da diese durchaus gern regierten, wurden Thronfolger schon einmal systematisch in den Wahnsinn getrieben, so funktionierte das System. Doch als Christians Leibarzt, der eigens eingestellt worden war, um allzu peinliche Auftritte des “kleinen kranken Königs” zu verhindern, sich in die junge Frau des Herrschers verliebt, droht der Staatsapparat zusammenzubrechen. Der Arzt wird zum mächtigsten Mann am dänischen Hof und initiiert eine kleine Revolution.
Die für ihre Hörspielproduktionen zu Recht gerühmten Rundfunkanstalten NDR und SWR haben sich an eine szenische Bearbeitung von Enquists großem Roman über die tiefen Zusammenhänge von Liebe und Macht gewagt, und das mit Erfolg: Die mit namhaften Sprechern wie Ulrich Matthes, Felix von Manteuffel und Jutta Hoffmann aufgenommene Produktion haucht nicht nur diesem eigentümlichen Kapitel der dänischen Geschichte Leben ein, sondern schafft es auch, die herrlich schlichte, stellenweise fast naive Sprache der Romanvorlage auf denkbar gelungene Weise zu übernehmen. Auch wenn gut zwei Stunden Hörspiel natürlich nie alles transportieren können, was 350 Seiten Roman vorlegen, und Leser des Romans deshalb sicher die eine oder andere lieb gewonnene Episode vermissen werden, ist diese Produktion für sich genommen doch ein schönes Kleinod. –Christoph Nettersheim
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Enquist, Per Olov: Der fünfte Winter des Magnetiseurs

Einmal erscheint dem Scharlatan, Betrüger und “Magnetiseur” Friedrich Meisner im Schlaf sein großes medizinisches Vorbild Paracelsus. “Du liest meine Schriften”, sagt Paracelsus, “aber du verstehst sie nicht. Du bist deiner Vision verpflichtet. Es ist deine Pflicht, sie nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln”. Der Traum ist eine Art Vision in der Vision: typisch für Per Olov Enquists neuen Roman Der fünfte Winter des Magnetiseurs, in dem die Ebenen zusehens verwischen und nie etwas so klar ist, wie es zunächst scheint.
Anhand von fiktiven “Dokumenten”, Augenzeugenberichten und Tagebuchnotizen erzählt Enquist vom seltsamen Aufstieg und Fall des Wunderheilers Meisner, der im 18. Jahrhundert gegen die “objektiven” Erkenntnisse der damaligen Naturwissenschaft rebelliert und so vom “Regenmacher” und dörflichen Schweineheiler zum Hoffnungsträger und Hassobjekt einer ganzen Stadt avanciert. Und er erzählt von einem Mann, der seine Visionen immer mehr mit der Realität verwechselt — bis er zum Opfer seiner eigenen Ausstrahlung wird und der “fünfte Winter” seinem Tun ein Ende setzt.

In Enquists Roman geht es vor allem um die Macht des Glaubens an allerlei Wunderkräfte. Aber es geht auch um das Vertrauen in die Kraft der Sprache: Was nicht geschrieben wurde, heißt es des Öfteren, das hat es nie gegeben. “Es ist unmöglich, über die vielen Dokumente, die es über Friedrich Meisner gibt, Rechenschaft abzulegen”, notiert dem entsprechend eine Schlussbetrachtung, “sie sind durch diesen Roman erst eigentlich geschaffen worden, und sie haben mit diesem Roman aufgehört zu existieren”. So ist auch nach der Leküre von Der fünfte Winter des Magnetiseurs nur eines sicher: Dass nämlich Enquist, der bereits mit Der Besuch des Leibarztes brillierte, der eigentliche Zauberer ist; ein Hypnotiseur des Wortes, der einfach wundervoll erzählen kann. –Thomas Köster / Amazon

Enquist, Per Olov: Die Ausgelieferten

Im Mai 1945 waren dreitausend deutsche und 167 baltische Soldaten der deutschen Wehrmacht von der Ostfront nach Schweden geflüchtet. Ende Januar 1946 lieferte Schweden – trotz heftiger Proteste der Internierten – die Mehrzahl der Deutschen und Balten an die Sowjetunion aus. Um das Schicksal der aus dem Baltikum stammenden Soldaten rankten sich bald politische Legenden, denen der Autor in diesem Buch auf den Grund geht. Seit Enquist in Ein anderes Leben über die Hintergründe der Arbeit an diesem frühen Dokumentarroman berichtet hat, ist der Ruf nach einer Neuausgabe nicht verstummt. Jetzt ist dieses lange vergriffene Buch mit einem aktuellen Nachwort des Autors endlich wieder lieferbar.

Enquist, Per Olov: Die Kartenzeichner

Ob Enquist in kleinen »Textflächen« höchst bezaubernd über Tiere schreibt, ob er im Haus seiner Mutter aufräumt und in den Kisten Aufzeichnungen findet, die ihn überraschen, oder ob er über die schwedische Gesellschaft nach dem Mord an Olof Palme nachdenkt – immer erweist er sich als präziser Beobachter seines Jahrhunderts und neugieriger Kartograph der Wirklichkeit. Enquist lesen heißt, auf Entdeckungsreise gehen. Amazon

Enquist, Per Olov: Ein anderes Leben

Von einem, der als Sohn einer strenggläubigen Volksschullehrerin in einem Dorf in Schweden aufwuchs und zu einem der angesehensten europäischen Schriftsteller wurde. Per Olov Enquist erzählt seine Lebensgeschichte, als ob es die eines anderen wäre: Er studierte in Uppsala, erlebte die RAF-Zeit in West-Berlin, schrieb in München als Journalist über die Olympiade und debütierte mit seinem ersten Theaterstück am Broadway in New York. “Wenn alles so gut ging, wie konnte es dann so schlimm werden?” – steht als Leitfrage über Enquists Biografie, die auch tief in die Alkoholabhängigkeit und an den Rand des Todes führte. Ein außergewöhnliches Buch, das sich liest wie ein zeitgenössischer Roman. Amazon

Enquist, Per Olov: Großvater und die Wölfe

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Kauzige, humorvolle, liebevolle, abenteuerlustige Großväter, die mit ihren Enkeln unter Umgehung der Elterngeneration auf Entdeckungsreise gehen, und sei es auch nur in der Fantasie, gehören fest in den Bestand des Figurenarsenals der Kinderliteratur, stellt Hilde Elisabeth Menzel fest. Ein solcher Großvater scheint auch der Autor Per-Olov Enquist zu sein, glaubt sie zu wissen, denn der Autor habe seinen vier Enkelkindern eine urkomische und dazu noch spannende Geschichte geschenkt. Weil es sich um einen guten Autor handelt, ist der Großvater des Buches dennoch weit von jedem Klischee entfernt, hält die Rezensentin fest. Er benimmt sich nämlich nach Meinung der Bilderbucherwachsenen ziemlich schlecht, gibt also kein gutes Vorbild ab, und wird auch schon mal aufs Klo gesperrt, wenne er beim Essen wieder Pupsgeschichten erzählt hat. Weil seine Enkelin angeblich des Nachts vom Krokodil gebissen wird, denkt er sich eine Expedition aus, die, berichtet Menzel, zu einem echten Abenteuer mit Wölfen, Wilderern und einem gebrochenen Bein gerät. Eine herzerfrischende Geschichte, freut sich Menzel und empfiehlt das Buch für junge Menschen ab acht Jahre.

© Perlentaucher Medien GmbHBuchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Kauzige, humorvolle, liebevolle, abenteuerlustige Großväter, die mit ihren Enkeln unter Umgehung der Elterngeneration auf Entdeckungsreise gehen, und sei es auch nur in der Fantasie, gehören fest in den Bestand des Figurenarsenals der Kinderliteratur, stellt Hilde Elisabeth Menzel fest. Ein solcher Großvater scheint auch der Autor Per-Olov Enquist zu sein, glaubt sie zu wissen, denn der Autor habe seinen vier Enkelkindern eine urkomische und dazu noch spannende Geschichte geschenkt. Weil es sich um einen guten Autor handelt, ist der Großvater des Buches dennoch weit von jedem Klischee entfernt, hält die Rezensentin fest. Er benimmt sich nämlich nach Meinung der Bilderbucherwachsenen ziemlich schlecht, gibt also kein gutes Vorbild ab, und wird auch schon mal aufs Klo gesperrt, wenne er beim Essen wieder Pupsgeschichten erzählt hat. Weil seine Enkelin angeblich des Nachts vom Krokodil gebissen wird, denkt er sich eine Expedition aus, die, berichtet Menzel, zu einem echten Abenteuer mit Wölfen, Wilderern und einem gebrochenen Bein gerät. Eine herzerfrischende Geschichte, freut sich Menzel und empfiehlt das Buch für junge Menschen ab acht Jahre.

© Perlentaucher Medien GmbH / Amazon

Enquist, Per Olov: Kapitän Nemos Bibliothek

In einem kleinen nordschwedischen Dorf, in dem die Armut das Regiment führt, werden 1934 an einem Tag zwei Jungen geboren. Jahre später kommt heraus, daß die beiden vertauscht wurden und bei den falschen Eltern aufwuchsen. Die Kinder werden an die leiblichen Eltern zurückgegeben, was sich aber als Tragödie erweist. Einer der beiden versucht als Erwachsener, sich Klarheit über das tragische Geschehen zu verschaffen. Er hält sich in einer Heilanstalt auf und sieht in seiner verzweifelten Rekonstruktion der Ereignisse einen letzten Versuch zur Selbstrettung. Amazon

Enquist, Per Olov: Lewis Reise

Um es gleich vorwegzusagen: Lewis Reise ist ein großes Buch. In ihm kommt die Meisterschaft des schwedischen Romanciers Per Olov Enquist, die in der Verknüpfung von historischem Fakt und narrativer Weitung liegt, großartig zum Tragen.
Wie Der fünfte Winter des Magnetiseurs erzählt Enquist von großer Leidenschaft und gläubiger Verführung — und führt uns mitten hinein in eines der wichtigsten Kapitel der schwedischen Religionsgeschichte. Im Zentrum steht der Machtkampf einer der größten Glaubensgemeinschaften der Erde, zwischen dem Leiter der schwedischen Pfingstkirche Lewi Petrus und dem lebenslustigen Dichter Sven Lidman, einem charismatischen Bohemien, die doch beide als janusköpfiger Ausdruck der Zeit, als “Zwillinge im Geiste” erscheinen. Die einstige Freundschaft zerbricht, als Lidman gegen den Führungsstil Lewis aufbegehrt — was zeigt, wie stark das Private ins Historische hinüberspielt.

Durch seine Mutter hat Enquist gelernt, was es heißt, in einer regressiven religiösen Umgebung großzuwerden. Diese persönliche Verwicklung auch in seine eigene Geschichte merkt man Lewis Reise beizeiten allzu gewaltig an. Dennoch aber ist Enquist mit seinem neuesten Roman wieder ein grandioses Buch gelungen, das Dichtung und Wahrheit imposant miteinander verknüpft. Große Erzählliteratur, die beeindruckt, auch wenn das ureigen schwedische historische Thema dem Publikum hier zu Lande vielleicht nicht gerade unter den Nägeln brennt. Der große Reiz aber liegt in dem Umstand, dass es Enquist gelingt, seine Erzählung zur allgemein gültigen Parabel von Verstrickung, Schuld und Verführung zu weiten. Deshalb: unbedingt lesen. –Stefan Kellerer / Amazon