Enquist, Per Olov: Der fünfte Winter des Magnetiseurs

Einmal erscheint dem Scharlatan, Betrüger und „Magnetiseur“ Friedrich Meisner im Schlaf sein großes medizinisches Vorbild Paracelsus. „Du liest meine Schriften“, sagt Paracelsus, „aber du verstehst sie nicht. Du bist deiner Vision verpflichtet. Es ist deine Pflicht, sie nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln“. Der Traum ist eine Art Vision in der Vision: typisch für Per Olov Enquists neuen Roman Der fünfte Winter des Magnetiseurs, in dem die Ebenen zusehens verwischen und nie etwas so klar ist, wie es zunächst scheint.
Anhand von fiktiven „Dokumenten“, Augenzeugenberichten und Tagebuchnotizen erzählt Enquist vom seltsamen Aufstieg und Fall des Wunderheilers Meisner, der im 18. Jahrhundert gegen die „objektiven“ Erkenntnisse der damaligen Naturwissenschaft rebelliert und so vom „Regenmacher“ und dörflichen Schweineheiler zum Hoffnungsträger und Hassobjekt einer ganzen Stadt avanciert. Und er erzählt von einem Mann, der seine Visionen immer mehr mit der Realität verwechselt — bis er zum Opfer seiner eigenen Ausstrahlung wird und der „fünfte Winter“ seinem Tun ein Ende setzt.

In Enquists Roman geht es vor allem um die Macht des Glaubens an allerlei Wunderkräfte. Aber es geht auch um das Vertrauen in die Kraft der Sprache: Was nicht geschrieben wurde, heißt es des Öfteren, das hat es nie gegeben. „Es ist unmöglich, über die vielen Dokumente, die es über Friedrich Meisner gibt, Rechenschaft abzulegen“, notiert dem entsprechend eine Schlussbetrachtung, „sie sind durch diesen Roman erst eigentlich geschaffen worden, und sie haben mit diesem Roman aufgehört zu existieren“. So ist auch nach der Leküre von Der fünfte Winter des Magnetiseurs nur eines sicher: Dass nämlich Enquist, der bereits mit Der Besuch des Leibarztes brillierte, der eigentliche Zauberer ist; ein Hypnotiseur des Wortes, der einfach wundervoll erzählen kann. –Thomas Köster / Amazon

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