Stichwort: Flüchtling

Anyuru, Johannes: Ein Sturm wehte vom Paradies her

sturmEin junger Mann wird in einem unterirdischen Raum irgendwo in Ostafrika vernommen. Noch vor Kurzem sollte er Kampfpilot in der ugandischen Luftwaffe werden. Doch dann, wenige Monate vor seinem Examen, kommt es in Uganda zum Staatsstreich. Idi Amin ergreift die Macht. Sein Regime wird zu einem der blutigsten des afrikanischen Kontinents werden. Und genau in diesem Moment trifft der junge Mann eine folgenschwere Entscheidung: Er wird nicht zurückkehren ins mörderische Uganda, obwohl es ihm befohlen wird. Er wird zu einem Vertriebenen, einem Flüchtling, dessen Leben auch in Schweden, wohin es ihn zum Schluß verschlägt, durch Einsamkeit und Heimatlosigkeit gezeichnet ist.

Johannes Anyuru hat einen fesselnden, berührenden Roman über seinen Vater geschrieben, – und darüber, wie ein Mensch von den Stürmen der Geschichte erfasst und gezwungen werden kann, alles zu riskieren, um dem Tod zu entfliehen. Ein wichtiges Buch, das zeigt, was manche Menschen und Flüchtlinge, die unsere neuen Nachbarn sind, wirklich erlebt und durchgemacht haben.

Anyurus Roman „Ein Sturm wehte vom Paradies her“ ist unter anderem für den schwedischen Literaturpreis „Augustpris“ nominiert worden. Er stand auf Platz der Kritikerliste von „Dagens nyheter“ und wurde bereits in sieben Sprachen übersetzt.

Luchterhand Literaturverlag, 288 Seiten.

Marklund, Liza: Mia


Ein gut aussehender Libanese wird Mias Leben für viele Jahre auf den Kopf stellen. Erst die Verlobung, irgendwann kommt Emma auf die Welt. Dann Trennung und Gewalt, Verfolgung und schließlich über Jahre ein Leben im Untergrund mit neuer Familie.
Es sei ein Dokumentarroman, sagt Liza Marklund zu ihrer neuen 420-seitigen Veröffentlichung. Eine wahre Geschichte also, die ein wenig an Betty Mahmoodys Bestseller Nicht ohne meine Tochter erinnert. Damals wie heute sei am Rande aber deutlich hinzugefügt, dass es zwar wahre Geschichten sein mögen, es sich, wie hier, um einen staatenlosen Flüchtling aus dem Libanon handeln mag, passieren kann dieses unvorstellbare Grauen aber genauso gut im eigenen Kulturkreis.

„In Schweden werden sie nie wieder in Sicherheit leben können“, das ist das Urteil für jemanden, der nichts verbrochen hat, der auf der Flucht ist vor blindem Hass und Gesetzen, die nicht greifen oder greifen wollen. Keine fiktive Geschichte könnte spannender und fesselnder sein, als diese in der Ichform geschriebene, sehr anrührende Lebensbeichte.

Wie engagiert und lebendig Liza Marklund schreibt, das hat sie längst durch Thriller wie Olympisches Feuer oder Paradies bewiesen — Spannung bis zur Atemlosigkeit. Im neuen Buch kommen noch ihr beeindruckender, fast leidenschaftlicher Einsatz und Kampf gegen die „völlige Unfähigkeit unserer Gesellschaft, mit Problemen wie Verfolgung von und Gewalt gegen Frauen umzugehen“ hinzu. Persönlicher Einsatz mit literarischen Mitteln.

Was sich wie ein nicht enden wollender, mit bösester Fantasie erdachter Horror liest, ist die blanke Realität, authentisch und sehr überzeugend. Schön wär’s, wenn nach der Lektüre der Ratschlag für betroffene Frauen überflüssig wäre: „Mit einem Mann zu leben, der dich schlägt, heißt, mit dem Tod zu leben.“ –Barbara Wegmann / Amazon

Ekman, Kerstin: Das Engelhaus

‚Das Engelhaus‘ ist das Haus, in dem Tora Otter, dem Leser schon aus ‚Hexenringe‘ und ‚Springquelle‘ bekannt, vom Beginn der dreißiger Jahre an bis in die ersten Nachkriegsjahre wohnt. Tora Otter kämpft inzwischen mit dem Herannahen des Alters. Schwer kann sie sich an den Gedanken gewöhnen, daß ihr Körper, der ihr bisher nur selbstverständliches Arbeitsgerät und Fortbewegungsmittel war, zunehmend schwächer wird. In ihrer schlaflosen Einsamkeit kriecht sie die Angst vor dem Tode an, und sie beginnt, ihr bisheriges Leben kritisch zu überdenken. Tora Otter und das ‚Engelhaus‘ spielen auch für die heranwachsende Ingrid, die Tochter von Toras Freundin, eine große Rolle. Sie träumt bereits in ihrer Jugend von einem Leben frei von den Sorgen des Alltags. Bald aber, als sie schwanger wird, einen Sohn gebärt und das ganz normale Familienleben einer Erwachsenen führt, muß sie feststellen, daß sie nicht die Kraft hatte, ihre Träume wahr werden zu lassen. Auch Jenny Otter, Toras Schwiegertochter, fühlt sich in ihrer Ehe nicht wohl. Schwer liegt auf ihr die ganze Verantwortung für die Versorgung der Familie. Aus Sehnsucht nach dem ‚wirklichen Leben‘ beginnt sie ein Verhältnis mit einem jüdischen Flüchtling aus Ungarn… Amazon

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