Stichwort: Lewis Reise

Enquist, Per Olov: Lewis Reise

Um es gleich vorwegzusagen: Lewis Reise ist ein großes Buch. In ihm kommt die Meisterschaft des schwedischen Romanciers Per Olov Enquist, die in der Verknüpfung von historischem Fakt und narrativer Weitung liegt, großartig zum Tragen.
Wie Der fünfte Winter des Magnetiseurs erzählt Enquist von großer Leidenschaft und gläubiger Verführung — und führt uns mitten hinein in eines der wichtigsten Kapitel der schwedischen Religionsgeschichte. Im Zentrum steht der Machtkampf einer der größten Glaubensgemeinschaften der Erde, zwischen dem Leiter der schwedischen Pfingstkirche Lewi Petrus und dem lebenslustigen Dichter Sven Lidman, einem charismatischen Bohemien, die doch beide als janusköpfiger Ausdruck der Zeit, als „Zwillinge im Geiste“ erscheinen. Die einstige Freundschaft zerbricht, als Lidman gegen den Führungsstil Lewis aufbegehrt — was zeigt, wie stark das Private ins Historische hinüberspielt.

Durch seine Mutter hat Enquist gelernt, was es heißt, in einer regressiven religiösen Umgebung großzuwerden. Diese persönliche Verwicklung auch in seine eigene Geschichte merkt man Lewis Reise beizeiten allzu gewaltig an. Dennoch aber ist Enquist mit seinem neuesten Roman wieder ein grandioses Buch gelungen, das Dichtung und Wahrheit imposant miteinander verknüpft. Große Erzählliteratur, die beeindruckt, auch wenn das ureigen schwedische historische Thema dem Publikum hier zu Lande vielleicht nicht gerade unter den Nägeln brennt. Der große Reiz aber liegt in dem Umstand, dass es Enquist gelingt, seine Erzählung zur allgemein gültigen Parabel von Verstrickung, Schuld und Verführung zu weiten. Deshalb: unbedingt lesen. –Stefan Kellerer / Amazon

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